QEP - Wie umfangreich muss ein zertifizierungsreifes QM-System sein?
Qualitätsmanagement ist in der modernen medizinischen Versorgung nicht nur ein Mittel zur effizienten Praxissteuerung, sondern auch eine gesetzliche Anforderung. Das Zertifizierungsverfahren nach QEP (Qualität und Entwicklung in Praxen) bietet niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie medizinischen Versorgungszentren (MVZ) die Möglichkeit, ihre Qualität messbar und transparent zu machen. Doch wie umfangreich muss ein QM-System sein, um die QEP-Zertifizierung zu erreichen? Die folgenden Ausführungen sollen Ihnen einen Überblick geben, wie Sie Ihr QEP-System vollständig und schlank aufbauen können.
Bearbeiten Sie alle Kernziele des QEP-Regelwerks
Das aktuelle QEP-Regelwerk ist der QEP-Zielkatalog, Version 2022. Dieser beinhaltet insgesamt 62 sogenannter Kernziele. Diese 62 Kernziele sind relevant bei einer QEP-Zertifizierung. Konkret bedeutet das, wenn bei einer Zertifizierung alle 62 Kernziele als umgesetzt bewertet werden, steht einem Zertifikat nichts mehr im Wege. Ein Kernziel gilt als umgesetzt, wenn die zum Kernziel dazugehörenden Nachweise erbracht bzw. umgesetzt sind. Die Nachweise stehen dabei immer unterhalb eines Kernziels und geben an was genau zu machen bzw. zu regeln ist. Die Vorgehensweise erinnert ein bisschen an ein Kochrezept: Oben steht was gekocht wird (Kernziel) unten wird aufgezeigt was dafür zu tun ist (Nachweise). Ein schlankes QEP-System konzentriert sich daher erst einmal nur auf die vorgegebenen 62 Kernziele.
Nicht alles muss schriftlich geregelt sein
Das genaue Lesen der Nachweise kann viel Aufwand und Zeit sparen. So können einige Nachweise auch ohne schriftliche Regelungen erbracht werden. Wenn in den Nachweisen gefordert wird, dass beispielsweise ein Notfallplan oder eine Checkliste erstellt werden muss, kommt man um ein QM-Dokument nicht herum. Gleiches gilt wenn eine schriftliche interne Regelung benötigt wird. Dies bedeutet stets die Erstellung eines QM-Dokuments. Wird jedoch explizit nicht auf ein solches Dokument hingewiesen und wird beispielsweise lediglich eine strukturierte Anamneseerhebung gefordert, so kann der Nachweis auch ohne QM-Dokument erbracht werden; die Anamnese muss eben strukturiert erfolgen, mehr nicht. Man nennt diese Nachweise auch "gelbe Praxis". Tatsächlich hat fast jede Praxis ein QM-Dokument erstellt, auf dem beschrieben wird wie die Anamnese erhoben wird - nicht falsch aber auch nicht notwendig. Die Empfehlung lautet daher: Wird ein QM-Dokument gefordert, wird es erstellt. Wird kein QM-Dokument gefordert, denken Sie darüber nach, ob es trotzdem für Ihre Praxis sinnvoll ist. Wenn nicht, verzichten sie auf ein solches.
Nicht alle brauchen alles
Dieser schlaue Spruch aus dem Zielkatalog gilt gleich in zweierlei Hinsicht. Bezogen auf die Kernziele gilt, dass nicht jedes Kernziel von jeder Praxis zu bearbeiten ist. Haben Sie beispielsweise keine Röntgenanlage, müssen Sie natürlich auch nicht das entsprechende Kernziel dazu bearbeiten. Gleiches gilt beispielsweise für das Thema Prävention. Werden aufgrund der Fachrichtung keine präventiven Leistungen angeboten, entfällt für solche Praxen das entsprechende QM-Dokument. Man spricht dann von "nicht anwendbar" und wird bei einer Zertifizierung nicht bewertet.
Das nicht alles benötigt wird bezieht sich auch auf die von QEP bereitgestellten Vorlagen. Das sogenannte QEP-Manual, das beim Deutschen Ärzteverlag für 199 Euro erworben werden kann, ist eine Sammlung von Vorlagen, die für die Umsetzung der Kernziele sehr sinnvoll sein kann. Es enthält über 200 QEP-Vorlagen, die Ihnen den QEP-Aufbau erleichtern können. Für den richtigen Umgang mit dem QEP-Manual gilt dabei: Nicht jede Vorlage muss bzw. sollte bearbeitet werden. Ob eine Vorlage bearbeitet werden sollte, ergibt sich aus den Nachweisen. Wer sich bei der Bearbeitung der Vorlagen streng an die Nachweise hält, wird viele Vorlagen nicht benötigen und sorgt dabei für ein schlankes QEP-System und weniger Aufwand.
Wenn Sie mehr zu dem Thema wissen möchten oder Fragen beim Aufbau Ihres QEP-Systems haben, so können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Wir freuen uns auf Ihre E-Mail oder Ihren Anruf!
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